Trotz Finanz-, Wirtschafts- und Umweltkrisen ist das Welt- und Menschenbild vorherrschend, der sogenannte "freie" Markt würde zum allgemeinen Besten führen und das Eigeninteresse des Einzelnen sei die wesentliche oder gar eine hinreichende Kraft zum Fortschritt der Gesellschaft. Das Jahr 2009 erinnerte uns an zwei Personen, die ursächlich damit verbunden sind : Adam Smith () und Charles Darwin ().

In unserem Denken gibt es eine Leichtgläubigkeit, die sich durch Zahlen und vermeintliche Autorität des Vortragenden beeindrucken lässt. Wer will schon wie blöd dastehen, wenn man den Vortragenden fragt, was man nicht verstanden hat und zu befürchten ist, dass der/die Vorgesetzte oder die Kolleg(inn)en denkt/denken "Typisch - so eine Frage kann auch nur die/der ........ stellen !" Besonders tricky wird es, wenn sich Zahlen mit allgemeinen Lebenserfahrungen verbinden, oder eine Scheinlogik mit vermeintlichen Tatsachen hergestellt wird. Als Beispiele für eine vermeintliche Sinnfälligkeit seien der sogenannte "Haftwert" bzw. die "Behaltensquote" (), die hohe Bedeutung der Körpersprache () und der Dreisatz des Thilo Sarrazin () genannt. Die ersten beiden Beispiele sind im Grunde harmlose Beispiele, und Herr Sarrazin wurde schnell seiner Unwissenheit entlarvt. Übertragen Sie die Beispiele auf Vorgänge in Wirtschaft und Politik, oder auf Entscheidungsabläufe in Ihrer Firma/Organisation, wird aus Harmlosigkeit schnell bitterer Ernst, weil die Folgen schwerwiegend bis katastrophal sein können.


Im März 2010 wurde in Frankreich eine Sendung ausgestrahlt, die in erschreckender Weise deutlich macht, dass wir Menschen seit jenem berühmt-berüchtigten Experiment Anfang der 1960er nichts dazu gelernt haben und unsere Reflexionsfähigkeit nur sehr gering ausgebildet ist: ()

Drei Jahre zuvor, im April 2007, hielt Philip Zimbardo am MIT einen Vortrag, in dem er erläuterte, wie aus ganz normalen (guten) Menschen, wie Sie und ich es vermutlich sind, böse Menschen werden können: (, interessant auch das Gespräch mit den Zuhörer/innen nach dem Vortrag). Zimbardo betont die Situationsbezogenheit und weist auf die Verantwortung von Autoritäten hin, die Situationen schaffen, in der Andere dann handeln (dürfen und ggf. sollen).

Vor der Versuchung einer Situation schützt uns nur Selbstreflexion und eine Besinnungspause zwischen Handlungsimpuls und tatsächlicher Handlung. Gegen die manipulierende Kraft von Autoritäten schützt vermutlich nur ein Gewissen, dessen Stimme wir wach halten. Wie können wir diese Stimme kräftigen und uns davor schützen, durch Ideologen und (angebliche) Autoritäten vereinnahmt zu werden ?

Laut OECD ist Reflexivität der "Kern der Schlüsselkompetenzen".

Reflexivität ist nicht nur der Versuch,
den Standpunkt eines unparteiischen Beobachters einzunehmen,
sondern auch die Selbst-Reflexion im Sinne
der altbekannten Aufforderung gnòthi sautòn bzw. erkenne dich.

Eine interessante und zugleich fragwürdige Anleitung
zur Selbsterkenntnis ist das Enneagramm ().





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Dr. Guido Eberhard
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