Die schlaue Dummheit des Thilo Sarrazin und seiner Verleger

Wir dürfen davon ausgehen, dass Herr Sarrazin nicht einfach ein Manuskript abgegeben hat, welches unbesehen von einem Verlag veröffentlicht wurde. Ganz im Gegenteil ist zu unterstellen, dass dem Verlag die Brisanz seiner zentralen Behauptung nicht nur bewusst war, sondern dass darin ein guter Verkaufsschlager erkannt wurde. Der Blick auf den nahenden Bestseller vernebelt die Sicht auf die Wahrheit.

Vernachlässigen wir mal die Frage nach der Repräsentativität der Umfrage anlässlich der Sendung hart aber fair vom 1.9.2010, so zeigt sich eine deutliche Zustimmung zu den Thesen Thilo Sarrazins - auf die Frage "Stimmen Sie den Thesen von Thilo Sarrazin zu ?" antworteten 84% mit "ja" und 16% mit "nein" (). Sogar 90% der e-mails, die zur Frage des Parteiausschlusses an die SPD gingen, sprachen sich für Sarrazin aus !
Nur - welche Thesen sind gemeint ?
Wer die Sendung gesehen/gehört hat (meine Empfehlung: den Podcast runterladen) und sich die Webseite zur Sendung anschaut (insbesondere der Faktencheck) erhält den Eindruck, dass es bei Sarrazin hauptsächlich um Integrationspolitik geht.

Der SPD-Sozialexperte Rudolf Dressler betont, dass es bei der Diskussion um einen möglichen SPD-Ausschluss nicht um die Thesen des Buches gehe, sondern um die das Buch begleitende Behauptung "Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen" (das volle Zitat lautet: "Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden." ()
Sarrazin reagiert in seinem folgenden Redebeitrag ausweichend.
Er erklärt lediglich, welche Recherche-Erlebnisse und statistischen Erkenntnisse ihn zu seiner Kritik an der Integrationspolitik führten. Michel Friedman kommt wieder auf das Gen-Thema zurück. Die in Deutschland geborene Gastarbeiter-Tochter Asli Sevindim äußert sich zunächst zur genetischen Veranlagung von Intelligenz und nennt es rassistisch. Sie gesteht Integrationsprobleme, weist aber darauf hin, dass man zur Lösung nicht Herrn Sarrazin brauche. Sarrazin erläutert, dass er nicht ethnisch argumentiert. Friedman entgegnet mit Verweis darauf, das Buch gelesen zu haben. Sarrazin leugnet, dass das von Friedman Gesagte Inhalt seines Buches sei und bedauert in der Folge seine in einem Interview getätigte Äußerung zu den Juden und der Genetik. Dass er bei der Autorisierung des Interviews die Äußerung übersehen habe, sei ein "black out" und der Satz sei eine inhaltliche Dummheit, die mit dem Buch nichts zu tun habe. Es sei aber weltweiter Stand der Intelligenzforschung, dass 50-80 Prozent der Intelligenz erblich ist - darüber werde er deshalb an diesem Tisch auch gar nicht diskutieren (Minute 27:40 - 28:26).
Auch vorab in der Sendung genannte klarstellende Zitate aus einem am Folgetag erscheinenden Artikel der von Sarrazin als Quelle genannten Intelligenzforscherin Elsbeth Stern verunsichern Sarrazin nicht, sondern er bleibt bei der 50-80%-Behauptung mit dem Verweis auf Frau Stern.
Die Sendung schwenkt im Folgenden auf das Thema "Integrationspolitik" über und klärt nicht weiter die Erblichkeits-Behauptung und die Folgerungen von Sarrazin. Auch die Webseite zum hart aber fair -Faktencheck geht auf das Thema der Genetik bzw. erblichen Intelligenz nicht ein. Es bleibt bei dem Verweis von Frau Sevindim, dass auf Seite 3 des Buches die Erblichkeits-Behauptung eine zentrale Stellung für das gesamte Buch einnimmt - immerhin heißt das Buch ja auch Deutschland schafft sich ab !

Das Statistische Bundesamt sagt, dass die Hochrechnungen, die Sarrazin für einen Zeitraum von 120 Jahren anstellt, statistisch unseriös seien. Sarrazins Hochrechnungen seien zum heutigen Zeitpunkt zwar nicht widerlegbar - da ja erst die Zukunft zeige, ob er Recht habe - doch zeige die Vergangenheit, dass - gemäß seiner Hochrechnung - mit der statistischen Grundlage von 1890 in Deutschland im Jahre 2010 rund 253 Millionen Menschen leben müssten (was die Statistiker damals nicht wissen konnten: zwei Weltkriege, die Anti-Baby-Pille und das Wegbrechen der traditionellen Familie). Sarrazin räumt ein, dass er lediglich eine "Trendfortschreibung" bzw. "Modellrechnung" gemacht habe und keine wissenschaftliche Prognose abgegeben habe.





Da das Buch Deutschland schafft sich ab heißt, ist die Erblichkeits-Behauptung zentral. In einem ZEIT-Interview äußerte sich Sarrazin am 26.8.2010 entsprechend zu der von der Zeit als "Kernthese" benannten Behauptung, "dass die deutsche Gesellschaft schrumpft und verdummt, weil bildungsferne Deutsche und bildungsferne muslimische Migranten mehr Kinder kriegen - somit schaffe sich Deutschland ab." () (An dieser Stelle sei gegen die Sarrazin-Kritiker darauf hingewiesen, dass Sarrazin offensichtlich auch von "bildungsfernen Deutschen" spricht, er also nicht nur eine Kritik an Migranten und der Integrationspolitik übt) An diesem Interview ist interessant, wie Sarrazin stets versucht, bedrängenden Fragen der Journalisten zu entweichen, um genauso häufig auf die 50-80%-Behauptung zu verweisen. Immerhin sagt er an einer Stelle: "Man muss unterscheiden zwischen dem ererbten und erworbenen Anteil der Intelligenz. Das heißt, wenn die Intelligenz zu 50 bis 80 Prozent erblich ist, dann ist der Rest von 20 Prozent bis 50 Prozent umweltbedingt." Allerdings teilt er nicht die Schlussfolgerung, den Muslimen mehr Bildung zu vermitteln - das ist für ihn "kurzschlüssig". Eine logische Schlussfolgerung ist für ihn dagegen ein Dreisatz: "Die Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent erblich. Die weniger Intelligenten vermehren sich schneller als der Durchschnitt. Das bedeutet in der Konsequenz, dass die Intelligenz der Grundgesamtheit sinkt."

Klingt irgendwie logisch, oder ?

Die Journalisten lassen sich von der scheinbar zwingenden Logik des Dreisatzes aber nicht nötigen, sondern stellen die Frage "Warum ist es Ihnen so wichtig, dass Intelligenz vererbt wird ?"

Sarrazin antwortet auf die Frage nicht, sondern verweist stattdessen auf Darwin als Beleg dafür, dass der Beitrag von Bildung nur begrenzte Wirkung hat. Als das nicht überzeugt, verweist er auf die Bildungsforscherin Elsbeth Stern mit dem Zitat, "dass die optimale Förderung eines jeden Schülers nicht zu mehr Gleichheit, sondern zu mehr Ungleichheit führt. Denn je größer die Chancengleichheit, desto mehr schlagen die Gene durch. Eine gute Schule, das mag nicht jedem gefallen, produziert Leistungsunterschiede auf hohem Niveau." (Das ist korrekt, nur geht die Schlussfolgerung in eine ganz andere Richtung, wenn man bedenkt, dass deutsche Akademikerkinder gegenüber den Migrantenkindern eine bessere Förderung erhalten - siehe dazu unten den vierten Spiegelstrich)

Im Folgenden äußert sich Sarrazin nicht zur Intelligenz der muslimischen Migranten ("Die Intelligenz muslimischer Migranten habe ich nicht überprüft und mache dazu auch keine Aussage." [auch dies eine wichtige Aussage, die für Sarrazin spricht; er also keine plumpe Ausländer- oder Migranten-Hetze betreibt]) und sieht die Ursache für die überdurchschnittlich schlechten Schulleistungen der Türken in Deutschland im kulturellen Hintergrund.

Der Rest des Interviews dreht sich um Integrationspolitik, die sicherlich an mancher Stelle zu kritisieren ist, was aber nicht Gegenstand dieser Webseite ist. Mir geht es um die vermeintlich wissenschaftliche Untermauerung einer Behauptung, aus der mittels Dreisatz ein Schluss gezogen wird, der zur Kernthese seines Buches wird. Selbst als Herrn Sarrazin in hart aber fair vom 1.9.2010 ein Zitat von Elsbeth Stern vorgelesen wird, welches am Folgetag in der ZEIT erscheinen wird, beruft sich Sarrazin erneut auf Frau Stern und lässt sich nicht verunsichern.

Wer den Beitrag des 2.9.2010 von Frau Stern liest (), erkennt nicht nur die Fehldeutung des Herrn Sarrazin und des Verlages (bzw. der verantwortlichen Person in diesem Verlag, die das vermutlich gar nicht hinterfragt hat) hinsichtlich der 50-bis-80-Prozent und die Einseitigkeit im Umgang mit dem Intelligenzbegriff. Stern nennt folgende Punkte:

  • ..Intelligenz ist keine absolute, sondern eine relative Größe ("Die absolute Intelligenz eines Menschen lässt sich aber gar nicht messen.")

  • ..was Sarrazin von ihr zitiert, ist eine Aussage hinsichtlich der statistischen Varianz bei Intelligenzmessungen, d. h. "die Abweichung jeder einzelnen Person vom Durchschnittswert" ist zu 50 bis 80 Prozent erblich bedingt; das bedeutet: "Man muss deshalb nicht von der Vererbung von Intelligenz, sondern von der Erblichkeit von Intelligenzunterschieden sprechen."

  • ..bessere genetische Voraussetzungen "können sich aber nur bei entsprechender familiärer und schulischer Förderung entfalten"

  • ..da wir davon ausgehen müssen, dass Kinder mit Migrationshintergrund weniger gute familiäre und schulische Förderung erhalten als deutsche Akademikerkinder, ist davon auszugehen, dass bei Migrantenkindern ein deutlich größeres verborgenes Intelligenzpotential liegt, als bei deutschen Akademikerkindern (ein verborgenes Intelligenzpotential scheint Sarrazin zu ahnen, denn er sagte an einer Stelle des Interviews über die Türken "Sie fallen hinter ihre Intelligenz zurück.")

Angesichts der Erkenntnisse der Zwillingsforschung und der allgemeinen Genforschung weist Elsbeth Stern den Dreisatz von Herrn Sarrazin zurück und stellt fest, dass es in Deutschland "zu keinem Einbruch des Durchschnitts-IQ" kommen wird, "wenn Menschen, die sich in der unteren Hälfte der Intelligenzverteilung befinden, mehr Kinder haben."

Zum Intelligenzbegriff sei angemerkt, dass dieser umstritten ist (). Die im Sarrazin-Zusammenhang - und wohl auch allgemein - bedeutsame Intelligenzforscherin Elsbeth Stern definiert Intelligenz folgendermaßen:

"... sie wird als das Potential einer Person verstanden, sich die mündliche und schriftliche Sprache sowie den Umgang mit mathematischen und anderen Symbolsystemen der jeweiligen Kultur anzueignen und dies alles für schlussfolgerndes Denken zu nutzen." ()

Bei vielen Migranten und ihren Kindern mögen Mängel in der mündlichen und schriftlichen Sprache aufgrund eines fehlenden oder zu geringen Bemühens um Sprachaneignung festzustellen sein, doch muss das nichts mit dem Intelligenzanteil zu tun haben, der sich auf Mathematik und Symbolsysteme bezieht und das schlussfolgernde Denken betrifft. So stellte Roland Grabner in seiner 2007 mit dem Wissenschaftspreis der Karpov-Akademie ausgezeichneten Dissertation Eine psychometrische, behaviorale, und neurophysiologische Untersuchung von Expertise, Intelligenz und neuronaler Effizienz im Turnierschach (2005) fest, dass Schachspieler mit einem verbalen und numerischen IQ von nur 85 bis 90 Punkten durchaus eine Spielstärke von 2000 ELO-Punkten erreichen können (die ELO-Zahl wurde 1960 von Arpad Elo entwickelt und gibt die Spielstärke von Schach- und Go-Spielern an; ab einer ELO-Zahl von 2000 gilt ein Schachspieler als Experte; eine ELO-Zahl zwischen 1800-1999 weist auf einen sehr guten Vereinsspieler hin). Die entscheidende Ursache für die Spielstärke eines Schachspielers liegt im frühen Beginn mit dem Schachspiel im Verein und in der Teilnahme bei Turnieren. ()

Das Schlimmste, was Eltern ihren Kindern antun können, ist also, ihren Kindern die Möglichkeit zu verwehren, schon früh das eigene Bildungspotential zu entwickeln, entfalten und auszuschöpfen !
Egal, welcher Schicht oder Kultur Eltern angehören mögen - solange sie ihre Liebe und erzieherischen Kräfte nicht auch auf eine bestmögliche Bildung ihrer Kinder richten, tragen sie ihren Teil der Schuld für die Ermöglichung von Behauptungen wie sie Sarrazin und andere Menschen aufstellen. Die Politik und die Lehrer/innen sind in der Verantwortung, eben diese Eltern darin zu ermutigen, ihren Kindern eine bestmögliche Bildung zu ermöglichen.





Herr Sarrazin und der Verlag hätten wissen müssen, dass es in Deutschland diesen geschichtlichen Hintergrund gibt:


(Quelle: Bundesarchiv , weitere Hintergründe: , )





Des Weiteren gab es in den 1960ern die Diskussion über die geringere Intelligenz der "Neger". Hier ist insbesondere der Name Arthur Jensen hervorzuheben: , . Jensen hat die rassenorientierte Intelligenzforschung auch in den folgenden Jahrzehnten nicht losgelassen, wie ein Artikel aus dem Jahr 2005 zeigt: .





Anfang der 1970er gab es - durch die bereits Mitte der 1960er angestoßene Bildungsreform - zahlreiche Studien, die eine "Unterrepräsentation von Arbeiterkindern an den weiterführenden Bildungsreinrichtungen" belegten. Bereits damals lag es sowohl an den Eltern als auch an den Lehrern. Die Lehrer zeigten ein "Unvermögen ..., die Bildungsdistanz von Unterschichtseltern zu korrigieren." (Herzberg, Frankfurter Rundschau vom 24.12.1970, S. ZB 6) Bei der Eignungsbeurteilung für den Bildungsweg nach der 4. Klasse verband sich das Vorurteil der Lehrer mit der Bildungsdistanz des Elternhauses der Arbeiterkinder (die Journalistin Irene Herzberg berichtete in ihrem Artikel über das damals aktuelle Buch von Otmar Preuß: Soziale Herkunft und die Ungleichheit der Bildungschancen - eine Untersuchung über das Eignungsurteil des Grundschullehrers; für die Untersuchung wurden "4. Volksschulklassen des Schuljahres 1965/66 im Regierungsbezirk Osnabrück" ausgewählt). Herzberg titulierte ihren in der Frankfurter Rundschau veröffentlichten Artikel Makabre Fairneß gegenüber Arbeiterkindern, weil Preuß in seinem Buch die Beurteilung der Grundschullehrer als "fair" bezeichnete, wenn sie berücksichtigen, "daß Unterschichtskinder unter gegenwärtigen Bedingungen die >>in den Lehrplan der Gymnasien einkalkulierte<< Hilfe und motivationale Unterstützung durch die Eltern selten bekommen." (Herzberg 1970)

Vierzig Jahre später hat sich in Bezug auf die türkischen Migrantenkinder nichts geändert. Bei der Veranstaltung Aufstieg durch Bildung ? mit den Gesprächspartnern Heinz-Elmar Tenorth (Bildungshistoriker) und Marianne Demmer (stellvertretende GEW- Vorstandsvorsitzende) am 15.1.2009 in der Hamburger Körber-Stiftung fragte Frau Demmer, ob die Formulierung "Teilhabe an der Gesellschaft durch Bildung" richtig ist. Wie kommt es, dass Kinder aus unterschiedlichen sozialen Schichten bei gleicher Leistung unterschiedliche Empfehlungen bekommen ? Sie stellte fest, ein Kind aus einer ungelernten Arbeiterfamilie braucht einen Lernvorsprung von rund zwei Jahren gegenüber einem Kind aus einer Akademiker-Familie, um eine Übergangsempfehlung zum Gymnasium zu bekommen. Frau Demmer fragte ihre Kolleg(inn)en aus den Grundschulen dann, wie so etwas sein kein, wieso die so handeln. Die antworteten dann: "Naja, das ist ganz einfach. Wir wissen das, dass wir so empfehlen. Und zwar tun wir es deshalb, weil wir bei dem Kind der türkischen Putzfrau uns natürlich fragen >>Kommt das auf dem Gymnasium zurecht ?<< Und uns natürlich sagen, bei der ersten Schwierigkeit ist genau dieses Kind auch wieder vom Gymnasium weg, weil es zuhause nicht die Unterstützung hat, weil es nicht die finanzkräftigen Eltern hat, die Nachhilfe-Unterricht finanzieren können, weil es das alles nicht hat, während bei dem Kind des Arztes oder der Lehrerin oder des Lehrers, da wissen wir, die kommen irgendwie durch, die brauchen gar nicht so gut zu sein. Der Durchschnitt für eine Übergangsempfehlung für Kinder aus Akademikerfamilien ist PISA-Mittelmaß - mehr wird von DENEN nicht verlangt, aber von Kindern aus der Unterschicht werden eben im Grunde Höchstleistungen verlangt, um die Empfehlung zum Gymnasium zu bekommen." (podcast ab 26:50 bis 29:20, )

Mit Bitterkeit lässt sich also feststellen, dass sonderbare Vorstellungen hinsichtlich des Zusammenhanges von Intelligenz und Rassen-, Kultur- und Schichtzugehörigkeit seit Jahrzehnten durch die Welt geistern und die Praxis am Ort der Schule anscheinend nichts dazu gelernt hat.





Herrn Sarrazin, seinen Verlegern und allen anderen, die die muslimische Kultur möglicherweise für geistig minderbemittelt halten, sei gesagt, dass die neuzeitliche europäische Wissenschaft rund tausend Jahre brauchte, um an die wissenschaftlich-technische Hochzeit der Griechen und Römer anzuknüpfen und sich weiter zu entwickeln. Die neuzeitlichen europäischen Wissenschaften konnte es nur geben, weil es in der Zwischenzeit arabisch-muslimische Wissenschaftler und Ingenieure gab. Während die islamische Geisteswelt hoch entwickelt war, befand sich das Abendland in tiefer Unwissenheit und dem geistigen Koma eines dogmatisch-religiösen Glaubens. Jedem sei der GEO-Artikel von Wolfgang Michal Die Weisheit aus dem Morgenland - Europa und sein muslimisches Erbe empfohlen (GEO-Wissen, Nr. 29, S. 118-124, ). Hier die ersten zwei Absätze des Artikels (Seite 118):

"Staatstheater Wiesbaden. 11. September, 15.00 Uhr: Professor Fuat Sezgin, der geschäftsführende Direktor des Frankfurter >>Instituts für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften<<, ist aufgerufen, das Große Bundesverdienstkreuz in Empfang zu nehmen. Der 76-jährige Muslim, Träger der Frankfurter Goethe-Plakette und des saudi-arabischen König-Feisal-Preises, wird ausgezeichnet für sein lebenslanges Bemühen um den Dialog der Kulturen.
In diesem Moment durchschlägt die zweite, von islamischen Fundamentalisten entführte Boeing, UA 175, den Südturm des brennenden World Trade Centers. Und die Nachricht von der Ehrung Professor Sezgins geht fast völlig in der aktuellen Berichterstattung unter."

Es stellt sich allerdings die Frage, inwieweit die (in Deutschland lebenden) Muslime von dieser Tatsache wissen, oder ob sie die Unwissenheit über die Bedeutung der arabisch-muslimischen Kultur mit den Deutschen teilen.

Es bleibt dabei: die Verantwortung für die Bildung der eigenen Kinder liegt bei den Eltern. Wir können die Verantwortung nicht allein bei einer mangelhaften Integrationspolitik suchen und sehen. Sarrazin hat die Integrationspolitik mit einem Skandal zu einem aktuellen politischen Thema gemacht. Die Ironie an dem Skandal ist, dass Herr Sarrazin zwar schlaues Marketing betrieb, aber in Bezug auf seine Kernthese, die sich auf Intelligenz und ihre Erblichkeit bezieht, ein wenig intelligentes Verhalten zeigte - er hätte vorher einfach mal mit Frau Stern sprechen sollen. Hätte er das aber getan, hätte er nicht mehr einen Skandal produzieren können und vermutlich keinen Bestseller erreicht.

Hoffen wir, dass für den Scherbenhaufen, den er verursacht hat, der Spruch gilt "Scherben bringen Glück". Der Vorratsbehälter der islamischen Kultur ist reichhaltig. Seine Scherben sollten nun den Blick dafür frei legen, was Menschen wie Fuat Sezgin der Öffentlichkeit nahe bringen wollen. Es ist zu befürchten, dass Sarrazin eher den Rechtspopulismus hoffähig gemacht hat und die muslimische Bevölkerung sich dagegen wehren wird, indem sie sich religiös-kulturell (noch mehr) einigelt als dass sie wissenschaftlich-fortschrittlich voranschreitet und sich integrierend verhalten wird.

Sämtliche Links sind vom Stand 2010-10-19.