55-38-7-Regel der Kommunikation

Ähnlich wie bei der Behaltensquote wird in Kommunikations- und Managementseminaren auch gerne behauptet, bei der menschlichen Kommunikation sei der entstehende Eindruck bei den Zuhörer(inn)en zu 55% durch Mimik/ Körpersprache, zu 38% durch Stimme/ Tonfall und zu 7% durch den Sprachinhalt beeinflusst - mithin der Erfolg unseres Auftretens verteilt sich prozentual auf diese Weise.

Auch hier gibt es unsere eigene Erfahrung, die uns bestätigt, dass Mimik und Körpersprache auf uns eine Wirkung ausüben und dass der Volksmund sagt "Der Ton macht die Musik". Da akzeptieren wir schnell die Zahlen und fühlen uns durch die Wissenschaft in unserer Meinung bestätigt.

Hier gibt es zwar Studien, doch distanziert sich der Autor
von der missbräuchlichen Nutzung seiner Ergebnisse !

Die Prozentzahlen 55, 38 und 7 gehen auf Studien von Albert Mehrabian et al. zurück, die dieser mit Kolleg(inn)en in den 1960ern durchführte (vgl. Mehrabian/ Ferris (1967), Mehrabian/ Wiener (1967) und Mehrabian (1972)). Mehrabian weist auf seiner eigenen Webseite ausdrücklich auf die Missdeutung seiner Forschungsergebnisse hin :

"Please note that this and other equations regarding relative importance of verbal and nonverbal messages were derived from experiments dealing with communications of feelings and attitudes (i.e., like-dislike). Unless a communicator is talking about their feelings or attitudes, these equations are not applicable. Also see references 286 and 305 in Silent Messages -- these are the original sources of my findings." Quelle: ()

Allerdings spricht ein Schelmenstreich aus der Trickkiste der sozialpsychologischen Experimente dafür, dass Sachinhalt unter bestimmten Bedingungen wenig Bedeutung hat - sogar Experten glauben Unsinn, wenn er gekonnt vorgetragen wird. Zur Zeit der Mehrabian-Veröffentlichungen, im Jahr 1970, hielt ein gewisser Myron L. Fox in den USA einen Vortrag mit dem Titel Die Anwendung der mathematischen Spieltheorie in der Ausbildung von Ärzten. Viel Humor und (sinnlose) Verweise auf andere Autoren reichen demnach, um einen unsinnigen Vortrag als Ausfluss wissenschaftlicher Tätigkeit erscheinen zu lassen: ().

Da wundert es nicht, wenn heutzutage Rhetorik-/Vortrags-/Präsentations-Trainings noch immer hoch im Kurs sind und mit der 55-38-7-Regel eingeleitet und begründet werden. Wir hatten in Deutschland eine historische Persönlichkeit, die ebenfalls ein Training absolvierte: ().

Was wir brauchen sind also keine weiteren Trainings, die Blender unterstützen, sondern Trainings für Zuhörer, sich auf den Sachinhalt einer Mitteilung zu konzentrieren, anstatt sich von der Unterhaltsamkeit eines Redners oder einer Rednerin blenden oder verführen zu lassen.

Sämtliche Links sind vom Stand 2010-08-01.